"Lebensgeschichten"

Gemeinsamkeit gehört in der Altenhilfe in Bleckede zum Alltagskonzept. Gemeinsam Erzählen, Lachen, Musizieren, aber auch das gemeinsame Essen, Tagesausflüge und Bewegungsprogramme sind Teil des Lebens in der Altenhilfe.

Zwei gemeinschaftliche Aktionen offenbarten neulich allerdings einen besonderen Blick auf die Menschen und ihre bewegten Vergangenheiten. Beim letzten Erzählcafé kam Christian Schmidt (88 Jahre) und ebenfalls Bewohner der Altenhilfe zu Wort. Nachdem der 88-jährige für die Anwesenden Lieder auf seiner Mundharmonika vorgetragen hatte, gab der Lüneburger Einblicke in seinen durchaus spannenden Lebenslauf. Während seiner Großmutter einst ein Bürgerhaus am Sande gehörte, leitete sein Vater später den Ölhof in Bleckede. Christian Schmidt selber bekam mit seiner Frau sieben Kinder (fünf Jungs und zwei Mädchen)und lebte zehn Jahre lang in Mexiko. Als seine Frau mit 62 Jahren starb, kehrte der gebürtige Lüneburger in seine alte Heimat zurück und verwurzelte sich neu in Bleckede. Christian Schmidt besitzt noch immer einen Schrebergarten in Lüneburg, zu dem er trotz, dass er fast blind und taub ist, noch tagtäglich mit dem Bus hinfährt. Mit seinen in Mitleidenschaft gezogenen Ohren und Augen gestaltet sich das Busfahren zwar als reines Abenteuer, jedoch ist es ein Abenteuer, das der Senior sich nicht nehmen lässt. Zum Glück gibt es die freundlichen und aufmerksamen Busfahrer, die den 88-jährigen bereits kennen und darauf Acht geben, dass er in den richtigen Bus Richtung Bleckede steigt.

Doch nicht nur als Erwachsener erlebt und erlebte Christian Schmidt erzählenswerte Momente. Er konnte seinen Zuhörern auch von gefährlichen Kindheitserinnerungen bei starker Strömung an der Elbe berichten. Eine Stunde lauschten die Teilnehmer des Erzählcafés gebannt auf seine Worte, bevor sie sich einig waren, dass diese spannende Lebensgeschichte es wert war, den Erzählcafénachmittag gefüllt zu haben.

Nicht nur Christian Schmidt, auch andere Bewohner der Altenhilfe haben eine Menge spannender Dinge aus ihrem Leben zu erzählen. Kurios fand Heinz Werner Kartens aus dem Mehrgenerationenhaus allerdings, dass er mit 82 Jahren beim kürzlich stattgefundenen Geburtstagskaffee fast der jüngste Teilnehmer war. Und so kam man darüber ins Gespräch. In der Tat freuten sich Bewohner und Mitarbeiter, dass sie in der geselligen Runde gleich mehrfach beachtlich hohe Geburtstage nachfeiern konnten. So wurden zwei Bewohnerinnen 88 Jahre alt und gleich drei Bewohnerinnen 89 Jahre. Zudem gab es einen neunzigsten Geburtstag und zwei Senioren, die jeweils 92 und 93 Jahre alt geworden sind. Die höchste Zahl allerdings konnte Erna Steinkraus aufweisen, die nicht lang zuvor ihren 96. Geburtstag hatte.

So viele freudige Geburtstage waren der Anlass, sich bei Kaffee und Kuchen zu treffen und in geselliger Runde Lebenserinnerungen auszutauschen. Gemeinsam sang man zudem einige Lieder und resümierte über den „Zug des Lebens“, der immer unterwegs ist und in dem es auch stetig neue Mitfahrende gibt.

Sowohl der Geburtstagskaffeenachmittag, als auch das Erzählcafé sind regelmäßige Veranstaltungen in der Altenhilfe in Bleckede. Organisiert werden diese und andere Aktionen wie Bewegungsspiele, Gedächtnistraining, Ausflüge und Festivitäten von einem Team aus Ergotherapeutin und Betreuern.