Außergewöhnliche Ausstellung im „Atelier für besondere Menschen“

Von filigranen Zeichnungen bis zu strukturellen Bildkollagen
 
[Celle] - Etwas versteckt liegt die Niederlassung des Albert-Schweitzer-Familienwerks in einem Hinterhaus in der Celler Altstadt. Wer sich allerdings auf die Suche nach dem Haus 39 an der Schuhstraße macht, kann dort aktuell eine außergewöhnliche Ausstellung für sich entdecken. Fünf Künstler aus dem „Atelier für besondere Menschen“ Hermannsburg zeigen dort ihre Werke. Von filigranen Zeichnungen bis zu strukturellen Bildcollagen dokumentieren die Arbeiten eindrucksvoll, wie kreativ und talentiert sich auch behinderte Menschen künstlerisch ausdrücken können.

Wilhelm Sommer malt überwiegend abstrakt. Seine von der Natur angeregten Bilder spielen vor allem mit den Farben. Der aus Bremen stammende Künstler hat schon oft in Ausstellungen des Ateliers für besondere Menschen mit ausgestellt und arbeitet gerne mit und auf Holz. Manfred Schmidt hatte im vergangenen Jahr sogar eine Einzelausstellung in Celle und trifft mit seinen gekonnt eingesetzten, sehr reduzierten Motiven zu starker Farbe eindringlich eine klassische Form- und Farbsprache.

Christoph von Schönberg teilt seine Begeisterung für Technik – mal sind es Schiffe oder U-Boote, ein anders Mal Leuchttürme – mit Andreas Jakob, der sich, neben einer Oldtimerkolonne auf der Straße, auch fein zeichnerisch mit Segelschiffen und Schlössern auseinandersetzt. Im letzten Moment kam noch ein fünfter Künstler in die Runde: Torben Klintworth – der sich mit seinem Kollegen Sommer auch schnell für eine geplante Live-Malaktion zur Vernissage bereitgefunden hat. Sie hatten ganz unbefangen offensichtlich genauso viel Spaß daran wie die Gäste.

Die gezeigten Werke sind beste Beispiele für die als „Art brut“ bezeichnete Kunst psychisch belasteter oder geistig eingeschränkter Kunstschaffender, die sich längst aus der Reihe bloßer „Hobbymaler“ gelöst haben und auch auf dem Kunstmarkt Bewunderer, Käufer und Sammler gefunden haben. Die in Celle ausstellenden Künstler leben und arbeiten im Familienwerk in Hermannsburg. Das „Atelier für besondere Menschen“ ist ein Angebot der Tagesförderung im Albert-Schweitzer-Familienwerk, dort haben seit 1996 rund 20 Menschen mit Einschränkung die Möglichkeit, künstlerisch zu arbeiten. Unter der Leitung von Diplomdesigner Dirk Zühlke entstehen Malereien, Collagen, Mosaike und Skulpturen mit ganz eigener Handschrift.

Ein Artikel von Doris Hennies.

Quelle: Cellesche Zeitung