Alexander Korittko referierte bei der Fachberatung Pflegestellen

Alexander Korittko, Trauma-Experte und profilierter systemischer Therapeut, besuchte just zum zweiten Mal die Fachberatung Pflegstellen des Kinderdorfs. Der Experte war bereits Referent auf dem Fachtag anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Fachberatung und seither hat sich eine kooperative Verbundenheit gebildet. Diesmal referierte er in den Räumen der Fachberatung in Moringen vor einem bunten Publikum über traumatische Erfahrungen im Kindesalter und deren Folgen. Sowohl für die Betroffenen als auch deren Umfeld ist der Umgang mit traumatisch vorbelasteten Kindern und Jugendlichen oft eine große Herausforderung. Pflegefamilien sollten von dem Wissen ebenso profitieren, wie Mitarbeiter der Kinder- und Jugendhilfe. „Das Thema Trauma ist quasi ein Alltagsthema bei unseren Pflegestellen“ berichtet Heidi Müller, Leiterin der Fachberatung. Weil die aufgenommenen Kinder in den meisten Fällen mit den Folgen traumatischer Erfahrungen zu kämpfen haben, ist die Sensibilisierung für das Thema sehr wichtig. Gleichzeitig rufen Traumata oftmals irrationales Verhalten hervor, so dass der Aufbau eines situativen Verständnisses unablässig ist. Alexander Korrikto selbst betont: „Jedes schwierige Verhalten ist Ausdruck innerer Not.“

Als mittlerweile international gefragter Experte auf dem Gebiet, gab Alexander Korittko nicht nur sein umfassendes Wissen lebendig und unterhaltsam weiter, sondern stand seinen Zuhörern auch bei individuellen Problemstellungen beratend zur Seite. „Das macht die Seminare mit Alexander Korittko so wertvoll“ weiß Fachberater Bernd Kasper zu erzählen und wird präziser: „Er vermittelt wichtige Erkenntnisse leicht verständlich und mit Alltagsbezug, hat dabei eine lebendige Erzählweise. Und im Anschluss an seinen Vortrag bleibt er offen für Fragen und Problemstellungen aus dem Alltagsleben der Familien.“

Durch die Verknüpfung von Theorie und Praxis profitierten die rund 35 Zuhörer besonders von dem fachlichen Vormittag und konnten einige neue und schlüssige Impulse mit nachhause nehmen. Eine weitere Besonderheit war, dass der Umgang mit dem frühkindlichen Trauma auch in den Beratungssituationen der Fachberater mit den Pflegefamilien regelmäßig und viel Raum einnimmt. Fachberaterin Nelly Hiedl weiß: „Es ist sehr wertvoll, dass dieser Input auch mal von außen und einem so anerkannten Experten kommt. Oft werden Inhalte dann noch mehr verinnerlicht und umgesetzt.“ 

Pflegestellen leisten einen wertvollen Beitrag

Für Kinder und Jugendliche, die nicht in ihren Herkunftsfamilien leben können, ist das Ankommen in einem neuen stabilen und wertschätzenden Zuhause von immenser Bedeutung. Pflegefamilien geben ihnen diesen Rahmen und begleiten sie zuverlässig dabei, den Weg in ein eigenständiges Leben zu finden.

Die Fachberatung begleitet beratend Pflegefamilien, die unter der Fachaufsicht des Jugendamtes stehen. Neben der Akquise neuer Pflegefamilien sowie der Durchführung des Bewerberverfahrens, besteht der Hauptteil der Aufgaben aus der fachlichen und intensiven Betreuung von Pflegefamilien. Alle Fachberater sind pädagogisch ausgebildet und haben eine Weiterbildung zum systemischen Berater abgeschlossen oder befinden sich in dieser.

Jede Pflegefamilie wird durch einen Fachberater, der die Familie regelmäßig zuhause besucht, begleitet. Zudem werden regelmäßig Fortbildungen und Supervisionen für Pflegeeltern angeboten. 

Um den Pflegeeltern untereinander Austauschmöglichkeiten zu bieten und die Gemeinschaft untereinander zu stärken, werden mehrmals im Jahr Veranstaltungen wie ein Sommerfest und einzelne Aktionstage organisiert. Die Möglichkeit in einem direkten Austausch miteinander zu stehen, ist eine wichtige Arbeitsgrundlage.

Einstieg jederzeit möglich

Die Pflegefamilie wird finanziell unterstützt. Dieses ersetzt zwar kein eigenes Gehalt, ermöglicht jedoch oft eine Stundenreduzierung im eigenen Job. Mehr Zeit für und mit der Familie, davon profitieren dann alle.

Eine pädagogische Grundausbildung wäre für diesen Schritt zwar von Vorteil, ist jedoch nicht Voraussetzung. Allerdings müssen potentielle Pflegeeltern die Bereitschaft mitbringen, sich mit pädagogischen Fragestellungen auseinanderzusetzen und eigenes Handeln zu reflektieren. Und letztlich lernt nicht nur das Pflegekind eine neue Familie kennen. Das Pflegekind bringt selbst auch Erfahrungen und eine eigene Lebenswelt mit. In den meisten Fällen finden zudem regelmäßige Kontakte zu der Herkunftsfamilie statt. Dabei wird die Pflegefamilie aber nicht allein gelassen, sondern von der Fachberatung und dem Jugendamt unterstützt. Denn die Erfahrung hat gelehrt, eine gute Zusammenarbeit mit der Herkunftsfamilie des Kindes wirkt sich positiv auf das Pflegeverhältnis aus. Dabei sind Toleranz-, Konfliktfähigkeit und nicht zuletzt Einfühlungsvermögen sowie gegenseitige Wertschätzung gefragt.

Auch ganz unabhängig vom Infoabend bietet die Fachberatung Pflegestellen in Moringen jederzeit die Möglichkeit zur Bewerbung als Pflegeeltern. Der Bewerber muss dabei nicht von Anfang an schon die Entscheidung getroffen haben, ein Kind aufnehmen zu wollen. Vielmehr soll ein intensives Bewerberverfahren den Bewerbern bei der Entscheidungsfindung helfen. In diesem Sinne braucht es zunächst einmal Mut, sich mit dem Gedanken auseinanderzusetzen und den ersten Schritt der Kontaktaufnahme zu gehen.

Nähere Informationen zur Pflegelternschaft, dem Ablauf des Bewerberverfahrens und der Eignung, erteilt das Team der Fachberatung Pflegestellen auch telefonisch unter: 05554 – 99 59 86-0. Das Konzept der Fachberatung gibt es zudem hier auf der Internetseite zum Download.