ZusammenHalt - Dreizehn Jugendliche wachsen über sich hinaus

„Es ist unglaublich, was für eine Spanne an Emotion und Erfahrung allein der Start unseres Projekts „ZusammenHalt“ uns allen schon brachte“ bringt Projektleiterin Andrea Schlemme (Sozialpädagogin im Jugendwohnen des Kinderdorfs Uslar sowie Spiel- und Theaterpädagogin) den Start am Wochenende auf den Punkt.

Der rote Faden im Miteinander

Das Projekt „ZusammenHalt“ führt insgesamt 13 junge Teilnehmer aus dem Jugendwohnen und dem Kinderdorf Uslar vom Familienwerk sowie von der Albert-Schweitzer-Förderschule über kreative Ausdrucksweisen an das sensible Thema der Zwischenmenschlichkeit heran. Hierbei sollen nicht nur das alltägliche Miteinander erfahren und gemeinsam durchdacht werden, sondern auch ein Bewusstsein für die Hürden im Miteinander von Menschen unterschiedlichster Art – ob mit oder ohne Handicap – geschaffen werden. Ihre Eindrücke und Erfahrungen werden in einem Theaterstück reflektiert, das zum Abschluss zur Aufführung kommt. Das Projekt „ZusammenHalt“ hat bereits Fördergelder des Bündnisses für Bildung „Kultur macht stark“ erhalten und kann nur aufgrund dieser Hauptförderung stattfinden.

Federführend wird „ZusammenHalt“ vom Familienwerk begleitet. Kooperationspartner sind der Verein der Schauspielerin Kristin Meyer: „Act to Be e.V.“, die Albert-Schweitzer-Förderschule, der Bundesverband der Albert-Schweitzer-Kinderdörfer und Familienwerke e.V., Arte Events Uslar sowie das Albert-Schweitzer-Jugendcamp.

Ganz neue Erfahrungen

„Das Wochenende war intensiv.“ Diese Aussage stammt nicht nur aus den Reihen der Betreuer, sondern war auch aus den Kreisen der Teilnehmer zu vernehmen und steht für sich.

Der eigens angereiste Regisseur Timo Hübsch, der die künstlerische Leitung innehat und dem einen oder anderem bereits aus der Fernsehproduktion „Alles was zählt“ als Schauspieler bekannt sein dürfte, sowie die Betreuerinnen vom Jugendwohnen Sabine Böker, Uschi Theiß und Andrea Schlemme legen sich schon seit längerem sehr engagiert ins Zeug. Nachdem seitens des Vereins „Act to Be“ und des Albert-Schweitzer-Bundesverbands die Einladung zum Projekt ausgesprochen war, begannen die ersten Planungen und aufwendigen Organisationen. Für das Betreuerteam aus dem Jugendwohnen durchaus ein Seiltanzakt, wie Sabine Böker (Leiterin des Jugendwohnens) verkündet: „Auch, wenn die kreative Arbeit ein wichtiger Teil unseres Zusammenwirkens ist, so sind wir hier in erster Linie Betreuer für die Jugendlichen. Projektwochenenden, Fahrten, Auftritte und die ganze Organisation im Vorfeld des Projekts sind eine Mammutaufgabe und unter den gegebenen Voraussetzungen schlicht nicht machbar.“

Doch der Bundesverband der Albert-Schweitzer-Kinderdörfer und Familienwerke e.V. hielt fest zu seinem Mitgliedsverein und brachte diesen, ausschlaggebenden Stein mit der Schaffung einer weiteren Teilzeitstelle für den Projektzeitraum ins Rollen. Personell machte dieser Punkt „ZusammenHalt“ im wahrsten Sinne des Wortes erst möglich.

„Wir Erwachsenen steckten im Prinzip von Anfang an voll im Thema, denn nur das Miteinander und der gemeinsame Austausch machten es möglich, Ideen auch für alle Beteiligten erfolgreich in die Tat umzusetzen“ fügt die Projektleiterin noch an und denkt an lange, intensive Gespräche mit der Geschäftsführerin des Albert-Schweitzer-Verbands Margitta Behnke, sowie deren Pressesprecherin Annett Häßler und dem Regisseur Timo Hübsch.

Großartige Momente und die Arbeit an sich selbst

Nach einem kurzen Kennenlernen bei der Kick-Off-Veranstaltung ging es dann für die Jugendlichen zur Sache, als sie den großen Schritt auf die Bühne der Albert-Schweitzer-Förderschule wagten. Erste Aufgabe war es, einen Partner in der „Ich-Form“ den anderen Teilnehmern vorzustellen. Das war erst einmal ungewohnt, doch alle meisterten diesen ersten Schritt mit Bravour. Immer mit dem Blick auf den künstlerischen Nutzen, wurden als nächstes Aufwärmspiele gespielt. Fast wie von selbst schulte das die sieben Sinne, den Atem und die Körperspannung.

Dann wurde es ernst und die Teilnehmer schlüpften in ihre Rollen und sollten diese durch wiederholtes Hinterfragen von Regisseur Timo Hübsch festigen.

Eine geballte Portion verschiedenster Emotionen prallte dort auf der Bühne auf die Jugendlichen ein. Hin und wieder drohte etwas davon herauszubrechen, die Gefühlsflut vermochte überhand zu nehmen, das Bühnenspiel wurde für Augenblicke zu intensiv und doch wuchsen diese jungen Menschen genau dadurch ein Stück weit über sich hinaus. Denn Kreativität bedeutet auch etwas auf ganz abstrakte Weise aus sich herauslassen zu können: Eine sehr wertvolle und wichtige Erfahrung für die Teilnehmer.

Das Ziel im Blick

Das erste Projektwochenende brachte ein vorsichtiges Zusammenfinden, erste Erfahrungen mit dem Spiel und der Bühne sowie den großen Mut für die „Bretter der Welt“ zum Vorschein. In weiteren Wochenend- und Ausflugsprojekten wird das große Team nun Stück für Stück ein thematisches Theaterspiel erarbeiten, welches zu mindestens drei Anlässen in Berlin, Waldenburg und Uslar Premiere feiern soll. Doch eine ganz besondere Bedeutung bekommt die Aktion „ZusammenHalt“ schon jetzt für die Jugendlichen, wie Sevim Ramadani (19 Jahre und Bewohnerin im Jugendwohnen des Kinderdorfes Uslar) es deutlich auf den Punkt bringt: „Ich bin an diesen zwei Tagen ein Stück über mich hinausgewachsen.“