Bianka Dierkes: Mein Traumberuf passt zu meinem Leben

Kinderlieb – das war Bianka Dierkes schon immer. >>Die Bianka wird mal Kindergartentante<< – so stand es in ihrem Steckbrief während ihrer Kindergartenzeit und so sollte es zunächst auch kommen. Neben ihrer Erfahrung als Erzieherin, bekam die 30-jährige auch praktische Einblicke in die Arbeit mit schwererziehbaren Jugendlichen. Bis nach Wiesbaden, wo sie die Leitung einer Kindergartengruppe innehatte, brachte ihre berufliche Vita Bianka Dierkes. Doch sie dachte viel an ihre Heimat in Südniedersachsen. „Ich bin immer mit Pferden und Hunden aufgewachsen, liebe das Ländliche und habe eine sehr enge Bindung zu meiner Familie. Das alles fehlte“ erzählt Bianka Dierkes rückblickend. Es wurde Zeit, umzudenken.  Durch Zufall lernt sie eine Kinderdorfmutter vom Kinderdorf in Uslar kennen und wird neugierig. Könnte das etwas für mich sein? – Eine Frage, die ihr nicht mehr aus dem Kopf gehen will. Sie beginnt, sich intensiv mit dem Konzept Kinderdorf auseinanderzusetzen. Gleichzeitig eröffnete ihr dieser Weg die Möglichkeit zur Heimkehr. Ihre Bewerbung in Uslar wird angenommen, denn gute Fachkräfte werden im Familienwerk immer gesucht.

Bianka Dierkes kann innerhalb eines Jahres „live“ erleben, was es bedeutet, mit mehreren Jugendhilfekindern unter einem Dach zu leben. Es gibt großartige, aber auch schwierige Momente. Sie ist an Streit- und Konfliktsituationen beteiligt, erlebt Auszüge in die Selbstständigkeit und verfasst eigenständig Hilfepläne – alles ein gutes Startpaket für die eigene Kinderdorffamilie. Und tatsächlich folgte die Gelegenheit, Hausleitung zu werden. Sie erwirbt eine geeignete Immobilie in ihrem Heimatort und renoviert diese neben ihrer Anstellung als Erzieherin. Als das Haus im Herbst 2017 fertig ist, zieht das erste Kind ein. Zwei weitere Schützlinge folgen und ein Vierter zieht in Kürze ein. Jetzt ist das Haus mit Leben gefüllt und es wird deutlich: Bianka Dierkes lebt darin ihren Traum. Zusammen mit den beiden Hunden spielen die Kinder im Wohnzimmer und Bianka Dierkes ist mittendrin. Aufgeweckte Augen suchen ihren Blick: >>Können wir etwas spielen? <<, der siebenjährige Ben* kommt auf sie zu. Sie streichelt ihm über den Kopf und lacht. Es ist eines von diesem warmherzigen Lächeln, die einen sofort gefangen nehmen.

Für die Erzieherin  stand fest, dass sie eine „kleine“ Kinderdorffamilie mit vier Kindern leiten wollte und dass ihr Heimatort auch das Zuhause ihrer Schützlinge werden sollte. Dennoch verschönt sie nichts: „Der Job ist hart und man behält nicht viel Zeit für sich. Für mich war die Frage, was mir im Leben wichtig ist, ausschlaggebend.“ Bei der Beantwortung wurde ihr bewusst, dass sie ihre Tiere, den Garten und ihre Familie liebt – und alles drei lässt sich mit Kindern ideal verbinden.2018 06 22HNABiankaDierkes1

So hat die Erzieherin ihren Traumberuf ihrem Leben angepasst. Auch, wenn Bianka Dierkes das alltägliche Leben für sich und ihre Schützlinge professionell und fürsorglich organisiert, bleiben die leiblichen Eltern im Übrigen ein wichtiger Bezugspunkt. Es gibt regelmäßige Besuche und einen kontinuierlichen Austausch. 

Es gibt viele Wege, beruflich in das Kinderdorf zu finden. Für Bianka Dierkes war das „Hineinschnuppern“ wichtig. Wer ebenfalls berufliches und privates verbinden will, sollte das Kinderdorf als Arbeitgeber für sich in Betracht ziehen. Wer die Voraussetzungen als Sozialpädagoge, Erzieher und Heilerziehungspfleger erfüllt, bekommt einen bunten Strauß an Jobentfaltungsmöglichkeiten geboten.
 

*Die Namen der Schützlinge wurden aus datenschutzrechtlichen Gründen geändert.