Fachvortrag und -gespräch zum Thema "Sexueller Missbrauch"

2019 feiert die Welt das 30-jährige Bestehen der UN-Kinderrechtskonvention. Mit Unterzeichnung der Konvention verpflichtete sich auch Deutschland, Kinder vor allen Formen sexueller Ausbeutung und sexuellen Missbrauchs zu schützen. In der vergangenen Woche haben sich in 2019 02 27ProfFegertInterviewIMG 9165der Holzmindener Stadthalle rund 200 Gäste zu einer vom Albert-Schweitzer-Familienwerk organisierten Fachveranstaltung zum Thema sexueller Missbrauch in Institutionen“ versammelt.
Einrichtungsleiter Dr. Dirk Dammann sowie die Leitende Oberärztin Kathrin Kumlehn aus der Fachklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie Moderator Jörg Grabowsky erinnerten an den Missbrauchsskandal um den ehemaligen Leiter des Albert-Schweitzer-Therapeutikums, Wulf Aschoff, Ende der 1990er Jahre. „Als Teil des Staates haben wir damals versagt, und deshalb wollen wir das Jubiläum der Konvention nicht mitfeiern, aber mit bewegen“, leitete Grabowsky die Veranstaltung ein.
 
Am Nachmittag wurde deshalb die Dimension sexuellen Missbrauchs in Zahlen präsentiert und thematisiert, welche Konzepte bereits entwickelt wurden, um Kinder zu schützen, und wie diese ausgebaut werden können. Einen bündigen Vortrag dazu hielt Prof. Dr. Jörg M. Fegert vom Universitätsklinikum Ulm. Fegert kennt sich nicht nur allgemein in der Thematik aus, sondern auch mit dem Holzmindener Skandal, denn er war es, der vor 20 Jahren das Gutachten verfasste, in Folge dessen Aschoff seine Approbation entzogen wurde.
Einblicke in Aufarbeitung und Prävention

Drei Vertreter des Albert-Schweitzer-Familienwerks gaben Einblicke in den Umgang mit der Aufarbeitung und Prävention in ihrem Haus. Geschäftsführer Martin Kupper berichtete von umfangreichen internen Gesprächen und Ermittlungen zur Aufarbeitung. Wann es Zeit ist, über einen Missbrauchsfall zu sprechen, müssen Opfer selber bestimmen, so Kupper. Der Verein sei deshalb nicht auf potentiell Betroffene zugegangen und möchte stattdessen auch heute noch Ansprechbarkeit signalisieren.
Transparenz
 
Der leitende Arzt des Therapeutikums, Dr. Dirk Dammann, und die leitende Oberärztin Kathrin Kumlehn-Böke vom Familienwerk berichteten darüber, was im Klinikalltag unternommen wird, um sexuelle Übergriffe zu verhindern. Ein zentraler Begriff hierbei ist Transparenz, ob in Besprechungen oder bei Visiten. Patientengespräche finden in offen zugänglichen Räumen statt, Untersuchungen werden immer mit zwei Personen durchgeführt. Die Türen sind für Beschwerden offen, es gibt einen Kummerkasten für Patienten, die ihr Anliegen nicht direkt vortragen wollen. In jeder sechsten Woche nehmen die Mitarbeiter an Supervisionen teil, lauteten einige Beispiele. Durch öffentliche Veranstaltungen wie diese will das Familienwerk daran weiterarbeiten, die Schutzkonzepte zu optimieren.
 
VortragFegertAuch Fegert kam am Ende seines Vortrages zu dem Schluss, dass es in den letzten Jahren in der Bekämpfung von Kindesmissbrauch Fortschritte gab, es aber immer noch Defizite gibt. Kindesmissbrauch zu verhindern sei eine gesellschaftliche Aufgabe, bei deren Bewältigung Krankenhäuser und das gesamte Gesundheitssystem eine aktivere Rolle spielen müssten. Öffentlich über Missbrauch und Schutzmechanismen zu diskutieren ist für die Redner eine der wichtigsten Methoden zur Verbesserung der Situation.
 
 
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Quelltext: Täglicher Anzeiger